C.H.Beck

  • This book surveys a range of intersections between the fictitious biography of the sage Apollonios of Tyana by Philostratos and selected prose narratives of the imperial period. The survey considers both pagan and Christian literature and includes both parallels to the philosophical ideology of the Life of Apollonios and features that embellish and enhance the Life as a work of literature. The book's various themes and topics are held together by a common thread: the hero's virtue, in particular his sophrosyne, which encapsulates not only his wise-man status but also his novelistic traits (sophrosyne is of central importance in the Greek romance), and which contributes to the interpretation both of Apollonios as hero and of the work's generic affinities. The characterisation of Apollonios and the contextualisation of his biography are equally served by the discussion of manifestations of eros in the Life of Apollonios as echoes of a popular, indeed irresistible theme to the author; of travel as an intergeneric metaphor for spiritual progression; and, finally, of the sage's relationship with the written word - a relationship that further reveals the narrative's authenticatory interests and precarious realism.

  • Unter den verschiedenen Formen, literarische Texte zu sammeln und zu erschließen, zählt deren Gruppierung zu einem OEuvre mit Sicherheit zu den gängigsten: Das OEuvre als Summe aller Werke eines bestimmten Autors wird dabei oft an scheinbar objektivierbaren Kriterien wie Werkbestand (Gesamtwerk) oder Autorbiographie (Spätwerk, Lebenswerk) gemessen und gleichsam als selbstverständlich betrachtet. Werkpolitik in der Antike fragt demgegenüber nach den Voraussetzungen (und ebenso nach den Auswirkungen) der Orientierung am OEuvre. Die lateinische Literatur der späten Republik und des augusteischen Prinzipats erweist sich für die Genese eines emphatischen Begriffes des auktorialen Corpus als formativ: Die Umwälzungen im literarischen Betrieb dieser Epoche, nicht zuletzt die Gründung öffentlicher Bibliotheken, bedingten bei Autoren, Kritikern und Lesern eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Begründung von Werkzusammenhängen, welche die Idee des OEuvres nachhaltig prägte. In vier Studien zu Cicero, Vergil, Horaz und Ovid wird nachgezeichnet, wie sowohl innerhalb der literarischen Werke selbst wie in deren Rezeption bestimmte Vorstellungen von Lebens- und Gesamtwerk Gestalt annehmen konnten.

  • Die Adelphoe (Die Brüder) von 160 v. Chr. sind die letzte der sechs Komödien des Terenz. Sie wurden nach Menanders verlorenem gleichnamigen Stück gedichtet. Es wird versucht, einerseits aufgrund typisch menandrischer Passagen in der römischen Version das Original zu rekonstruieren, andererseits die Züge herauszuarbeiten, auf die es Terenz ankam. Es zeigt sich, daß an die Stelle griechischer Ethik römische Komik getreten ist. Besondere Aufmerksamkeit wird den aktuellen juristischen Diskussionen der Scipionenzeit gewidmet.

  • Dass die rmischen Dichter poetischer Kleinformen (also vor allem Lyrik, Elegie und Epigramm) von Catull bis Ovid auf griechische Modelle rekurrierten, die mehr als ein halbes Jahrtausend vor der eigenen Zeit und unter vllig anderen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen entstanden sind, ist für die Klassische Philologie eine selbstverständliche und auf den ersten Blick wenig aufregende Tatsache. Die Forschung des 20. Jahrhunderts interessierte sich vornehmlich für die formale und ästhetische Dimension dieses Aneignungsprozesses: Horaz lernte gewissermaßen durch das gründliche Studium von Sappho und Alkaios, wie man gute lyrische Gedichte schrieb. Die vorliegende Studie nimmt diesen Vorgang nicht als selbstverständlich hin, sondern untersucht für besonders relevante Themen (Liebe, Symposium, Gesang, Politik) und Autorenpersnlichkeiten (Sappho, Archilochos, Pindar), welches spezifische Potenzial rmische Autoren in den griechischen Texten sahen und wie sie ihre Prätexte auch dafür nutzten, eine kritische Distanz zur eigenen Gegenwart aufzubauen.

  • Martial versteht es, in seine Epigramme zahlreiche Autoren und deren Werke funktional einzubinden, sei es durch direkten Verweis oder intertextuelle Verfahren. Es sind nicht nur Epigrammatiker, sondern Autoren aus fast dem gesamten antiken Gattungsspektrum, sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart. So entsteht Martials `epigrammatischer Kanon`, mit dessen Hilfe Martial das eigene literarische Genre aufwertet und nicht zuletzt an der eigenen Selbstkanonisierung arbeitet.

  • Lust am Lesen

    Fabian Zogg

    Literarische Anspielungen im Frieden des Aristophanes sind zwar bereits seit der Antike Gegenstand der Forschung, wurden aber noch nie systematisch untersucht. Neben einer Detailanalyse aller Bezüge der Komödie zu literarischen Einzeltexten werden auch die kulturellen Implikationen des Befundes in den Fokus gerückt: Die komplexe Intertextualität ist ein wesentliches Merkmal von Aristophanes' Komödien und weckte bei den gebildeten Zeitgenossen die Lust am Lesen.

  • Die Asinaria ("Eselskomödie") des römischen Dichters T. Maccius Plautus (um 250-184 v.Chr.) gehört zu den ältesten literarischen Zeugnissen der römischen Literatur. Obwohl allein dadurch von besonderer Bedeutung, stand diese Komödie nie im Zentrum der Forschung. Lange wertete man das Stück aufgrund der moralischen Anstößigkeit einer Handlung ab, die sich um die Liebe eines jungen Mannes aus gutem Haus zu einem leichten Mädchen entspannt. Auch die zahlreichen dramaturgischen Brüche ließen die Asinaria als minderwertigen Repräsentanten der antiken Komödie gelten. Die vorliegende Arbeit leistet in Gestalt eines philologisch-wissenschaftlichen Kommentars, dem eine ausführliche Darstellung von Form und Gehalt des Stückes vorangestellt ist, einen Beitrag zu einer neuen Sichtweise auf eine der vielleicht turbulentesten, sicher aber eigentümlichsten Komödien des römischen Altertums.

  • Bei Aischylos (525/4-456/5 v.Chr.) hat die attische Tragödie von bescheidenen Anfängen zu ihrer Vollendung geführt. Man war gewohnt, den Dichter einen Theologen zu nennen, von seiner Zeus-Religion zu sprechen, bis Mitte der 50er Jahre sich das Bild mit den Angriffen der anglophonen Forschung verdüsterte. Namentlich der Oxforder Gelehrte Hugh Lloyd-Jones hat Aischylos den Rang eines originellen theologischen Denkers abgesprochen, und dies mit bis heute anhaltender Wirkung. Robert Bees führt dagegen den Nachweis, daß hinter den sechs (unbestrittenen) Dramen ein persönlicher Glaube des Dichters steht, nach dem das Handeln des Zeus in allem gerecht ist: Symbolisiert im Wirken seiner Tochter Dike, die zur Erde geschickt wird, um den Willen des Vaters unter den Menschen durchzusetzen. Menschliches und göttliches Wollen, so die Überzeugung des Aischylos, müssen in eins zusammengehen, soll auf Erden Gerechtigkeit walten. Das Gute und Gerechte steht dem Bösen und Ungerechten gegenüber, und es ist Zeus, der beiden Seiten das Gebührende zuweist. Unter diesen Voraussetzungen ergeben sich neue Einsichten in alte Fragen, etwa die Opferung Iphigenies durch Agamemnon, welche nun nicht mehr als Verbrechen erscheint, sondern als einzig richtiges Handeln eines Feldherrn, der in göttlicher Mission gegen Troja zieht. Daß allein die Gerechtigkeit des Zeus entscheidend ist für das Handeln des Menschen, zeigt Bees in seiner Dramen-Interpretation, die auch Nichtfachleuten verständlich ist, da alles Griechische in Übersetzung vorgelegt wird. Beigegeben ist eine Interpretation des Prometheus Desmotes, der Aischylos fälschlich zugeschrieben wurde. Bees erhärtet die von ihm bereits 1993 begründete Unechtheit des Stückes nun von einer anderen Seite: die Ungerechtigkeit des Zeus, die in diesem Stück allenthalben zu Tage tritt, erscheint als bewußte Provokation eines unbekannten Autors gegen den Glauben des Aischylos.

  • Der uralte Konflikt zwischen Lust und Vernunft, der in der Geschichte der Philosophie und Psychologie zu manchen ausufernden oder auch abwegigen Überlegungen geführt hat, ist leichter zu durchschauen, wenn man Platons Dialog Philebos sehr genau gelesen hat. Platons Auseinandersetzung mit den semantischen und psychologischen Aspekten des Themas kann sozusagen als grundlegende wissenschaftliche Einführung gelten. Dieser Kommentar zeigt, daß man den Metaphysiker Platon ("Ideenlehre") beiseite lassen muß, um dem Wissenschaftler Platon, der sich mit der Wissenschaft seiner Zeit (der seriösen Sophistik) auseinandersetzt, gerecht zu werden. Heutige Philosophen können aus Platons Philebos lernen, vorsichtiger mit den Begriffen Lust und Vernunft umzugehen, heutige Psychologen, unmißverständlich zwischen empirischer und spekulativer Psychoanalyse zu unterscheiden.

  • Phaedrus

    Ursula Gartner

    Die Fabeln des Phaedrus wurden lange unter motiv- oder sozialgeschichtlichen Aspekten gelesen; man meinte, durch den `Freigelassenen des Augustus` die Stimme des `Kleinen Mannes` zu hören, der pessimistisch die Anpassung predige. Ferner wurde meist ein biographischer Deutungsansatz verfolgt, der die Gedichte aus der vermeintlichen Lebenserfahrung des Dichters ableitete. Dabei wurde zu wenig berücksichtigt, dass diese `Lebensdaten` mehr oder weniger gänzlich aus den Fabeln erschlossen wurden; viele dieser Elemente geben sich zudem als poetologische Topoi zu erkennen, sodass sich das Ich eher zu tarnen als zu offenbaren scheint. Schließlich fand das intendierte (Lese-)Publikum zu wenig Beachtung, denn der Dichter verlangt nicht nur selbst Belesenheit, vielmehr erschließt sich die Vielschichtigkeit der zunächst so simpel erscheinenden Gedichte erst bei Beachtung der zahlreichen intertextuellen Bezüge. Lässt man sich aber auf diese Weise auf die Fabeln ein, lernt man Texte kennen, die sich spielerisch, witzig und eigenwillig in die literarische Tradition und den Diskurs ihrer Zeit einreihen und so selbstreflektiert auch zu Fabeln über die Dichtung werden.

  • Verbs and nouns of meaning in ancient Greek and Latin are polysemous, just as in the case of the English verb "to mean". Andreas T. Zanker considers how the ancient vocabulary could be used in different ways and investigates its development over time. In the first part of the book, Zanker argues for the role of metaphorical and metonymical transference in the creation of expressions of meaning; Greek and Roman authors used the same verbs to describe what inanimate things, including words and texts, meant/signified as they did of human beings in the act of meaning/signifying something. In the second part of the book, the author focuses on certain metaphorical extensions of this vocabulary and argues that they have implications for modern discussions of meaning, particularly in literary criticism.

  • In Platons Dialog Sophistes wird nach der Definition des Sophisten gefragt; das führt zum Begriff des Nichtseienden und schließlich unter dem Stichwort 'Dialektik' auf die Frage nach dem Seienden. Daß Platon dabei von der sophistischen Methode ausgeht, das Seiende als bloße Spitze einer Begriffspyramide zu deuten, haben seine Interpreten seit jeher als irgendwie widersprüchlich empfunden. Dieser Kommentar ist für Leser gedacht, die bereit sind, den Sophistes (griechisch oder in Übersetzung) genau zu studieren, aber dabei einen Begleiter haben möchten, der ihnen in möglichst direkter und knapper Form hilft, den oft schwierigen einzelnen Schritten zu folgen und zugleich die Übersicht über das nicht weniger schwierige Ganze zu behalten. Er will nicht in die kaum noch überschaubare wissenschaftliche Diskussion einführen, sondern nur das dort zunehmend ins Hintertreffen geratende unmittelbare Verständnis des Wortlauts sicherstellen. Er ist "kritisch", weil er zum unbefangenen Lesen anhalten möchte. Damit wendet er sich nicht gegen die idealistische Interpretation von Platons Dialogen, der Platon seinen Ruhm als Philosoph verdankt, sondern will zeigen, daß es falsch wäre, den Platon, der im Sophistes Grundlegendes u. a. über Begriffsbildung und Sprache zu sagen hat, darüber zu vernachlässigen.

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